Die menschlichen Kosten von Krieg und Besatzung beleuchten und der israelischen Gesellschaft die Realität in den palästinensischen Gebieten vor Augen führen. Das sind die Ziel von Adi Argov’s Dokumentationsprojekt. Argov ist Gründerin und Leiterin von The Daily File, einer dreisprachigen Website (Hebräisch, Arabisch und Englisch), die sie 2020 ins Leben rief. Die Seite dokumentiert Gewalt gegen Palästinenser:innen im Gazastreifen und bereitet Berichte und Statistiken dazu für die israelische Öffentlichkeit auf. Für dieses mutige und wichtige Engagement zeichnet der New Israel Fund (NIF) USA Adi Argov nun mit dem “Truth to Power Award” aus.

Der mit 100.000 Schekel dotierte „Truth to Power“ Award ist die höchste Auszeichnung für Aktivist:innen innerhalb der israelischen Zivilgesellschaft. Er wird an Menschen verliehen, die furchtlos und öffentlich gegen Diskriminierung, Ungleichheit oder Ungerechtigkeit kämpfen. Die Preisträger:innen werden hinsichtlich der Wirksamkeit der Arbeit, des Mutes, des künftigen Potenzials ihrer Arbeit sowie ihres Engagements für Gerechtigkeit, Gleichheit und Demokratie ausgewählt. Argov erhält die Auszeichnung in Anerkennung ihrer außergewöhnlichen Arbeit, die von Mut, Entschlossenheit und unerschütterlichem Engagement geprägt ist.
In einem ausführlichen Beitrag der Washington Post über die Anführer:innen der israelischen Antikriegsproteste wurde Argov zitiert. „Dieser Krieg ist ein Krieg des Leugnens“, sagte sie der Zeitung. Proteste, bei denen die Demonstrant:innen schweigend Fotos von in Gaza getöteten Kindern zeigten, hätten sich angefühlt, „als gäbe es ein Licht in der Dunkelheit, als würden wir endlich auf der Seite der Menschlichkeit stehen.“
Argov, eine 59-jährige klinische Psychologin, Mutter, Großmutter und langjährige politische Aktivistin, leistet diese Arbeit, ohne jede Form der Entlohnung zu erhalten. Seit dem 7. Oktober 2023 und dem Krieg in Gaza ist The Daily File für Journalist:innen, Forscher:innen und Aktivist:innen im In- und Ausland zu einer der zuverlässigsten und umfassendsten Informationsquellen in Israel geworden. Dort dokumentiert Argov täglich Vorfälle von Gewalt, Zusammenstößen, Zerstörungen von privaten Häusern und Menschenrechtsverletzungen im Westjordanland und im Gazastreifen.
Die Jury erklärt ihre Entscheidung mit folgenden Worten: „Angesichts von Einschüchterung, Angst und Entfremdung liefert Adi Argov beständig erschütternde Fragmente der Wahrheit – präzise, sensibel und konsequent. Sie schafft eine sichtbare, greifbare Realität, die die Mauer des Verleugnens herausfordert und sich mächtigen politischen und medialen Kräften entgegenstellt – unter realer persönlicher Gefahr.“
Durch ihre Arbeit war Argov schweren persönlichen Angriffen ausgesetzt. Die rechtsradikale Organisation Im Tirtzu diffamierte sie öffentlich und veröffentlichte ihre Privatadresse im Rahmen eines sogenannten Doxxing-Angriffs. Dennoch setzt Argov, angetrieben von einem tiefliegenden Pflichtgefühl, ihre Arbeit unbeirrt fort.
Mit dem Preisgeld kann Argov ihre Arbeit und die “Daily File” weiter ausbauen und so sicherstellen, dass es in der israelischen Öffentlichkeit weiterhin eine unabhängige Stimme über die Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten berichtet.
Frühere Preisträger:innen des „Truth to Power“ Preises waren unter anderem Einav Zangauker, Anführerin der Proteste der Geiselfamilien und Mutter des von der Hamas entführten Matan Zangauker, sowie Nassar Nawaje, ein palästinensischer Aktivist aus dem Dorf Susiya im Westjordanland. Der Preis ist nach dem verstorbenen Bill Goldman benannt – einem Aktivisten, Geschichtsprofessor an der Universität von San Francisco und Vorstandsmitglied des New Israel Fund. Goldman setzte sich stets mutig für Mitgefühl, Gerechtigkeit und Gleichheit ein und unterstützte zahlreiche Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Brücken zwischen den Menschen zu bauen.


