Seit dem 7. Oktober 2023 steht Israels demokratische Zivilgesellschaft vor einer historischen Bewährungsprobe. Der Terrorangriff der Hamas, der darauffolgende Krieg in Gaza, die fortschreitende Annexionspolitik im Westjordanland sowie die Angriffe der in Teilen rechtsextremen Netanjahu-Regierung auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und freie Meinungsäußerung stellen eine ernsthafte Bedrohung dar.
Der New Israel Fund (NIF) hat genau deshalb einen umfassenden Notfallplan entwickelt: den Crisis Action Plan. Dieser ermöglicht es, in der aktuellen Ausnahmesituation schnell und wirksam zu handeln – und gleichzeitig langfristig demokratische Strukturen zu schützen und zu stärken.
Drei Säulen der Unterstützung
- Akute Nothilfe: Dort helfen, wo sonst niemand hinschaut
Ob Schutzräume in beduinischen Dörfern, psychosoziale Betreuung für vom Terror betroffene Gemeinden oder rechtliche Soforthilfe für verhaftete Demonstrierende: Mit Mitteln aus dem NIF-Notfall Topf unterstützen wir zivilgesellschaftliche Organisationen, damit sie in akuten Krisen schnell und unbürokratisch handeln können.
Nach den Terrorangriffen vom 7. Oktober 2023 unterstützte NIF aus diesem Topf Initiativen, die die Überlebenden im Süden Israels mit Notunterkünften, medizinischer und psychologischer Hilfe versorgten. Außerdem unterstützen wir damit die damals neu gegründete Initiative Hostages and Missing Families Forum, der größte Zusammenschluss von Angehörigen, der mehr als 250 aus Israel entführten Geiseln.
Im Krieg zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 lag das Augenmerk der Nothilfe insbesondere auf Bevölkerungsgruppen wie Geflüchtete, Neueinwander:innen oder palästinensische Staatsbürger:innen, die auch im Bereich des Schutzes vor Raketen Benachteiligung erfahren. So wurden beim Einschlag einer iranischen Rakete in Tamra, einer palästinensischen Stadt im Norden Israels, vier Frauen getötet. In Tamra gibt es 37.000 Einwohner:innen – und keinen einzigen Schutzbunker. Mit Unterstützung des NIF konnten Partnerorganisationen wie AJEEC-NISPED und Women Against Violence in Tamra und in anderen palästinensischen Gemeinden schnell Notfallhilfe leisten: durch lokale Notfallzentren, die Verteilung von Hilfsgütern und psychologische Unterstützung. NIF investiert jedoch nicht nur in Nothilfe, sondern setzt sich darüber hinaus seit langem für vollständige Gleichberechtigung sowie für den langfristigen Aufbau von Infrastruktur innerhalb der palästinensischen Zivilgesellschaft in Israel ein.
- Verteidigung von Bürger- und Menschenrechten
In den letzten Monaten hat, die von Premierminister Netanjahu geführte Regierungskoalition eine Flut antidemokratischer Gesetze auf den Weg gebracht, darunter Gesetzesentwürfe, die die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) unter Strafe stellen, arabischen Parteien die Kandidatur für die Knesset verbieten und Nichtregierungsorganisationen, die finanzielle Unterstützung von ausländischen Regierungsstellen erhalten, mit einer Steuer von 80 % belegen sollen. Meinungs- und Versammlungsfreiheit, insbesondere von palästinensischen Bürger:innen und pro-demokratischen oder Friedensaktivist:innen werden eingeschränkt – die Repressionen gegen Protestierende, unabhängige Medien und Gerichte nehmen zu.
Der von NIF initiierte und finanzierte Civil Society Hub vereint auf einzigartige Weise die Expertisen verschiedener Partnerorganisationen aus den Bereichen Rechtshilfe, Mobilisierung, Kampagnen, Cybersecurity, psychologische Unterstützung und mehr. Der Hub unterstützte unter anderem die ehemalige Geisel Liri Albag, die nach kritischen Äußerungen gegenüber der Regierung Opfer einer Hetzkampagne wurde. Zudem setzte er das Recht von Aktivist:innen der Bewegung Standing Together durch, bei den Wahlen zur Studierendenvertretung am Technion – Israel Institute of Technology zu kandidieren.
Im Schatten des Krieges in Gaza eskaliert die Siedlergewalt gegen palästinensische Gemeinden im besetzten Westjordanland und der Siedlungsbau schreitet unvermindert voran. NIF unterstützt Menschenrechtsorganisationen wie Yesh Din, die die Gewalt von Siedlern und Militär gegen Palästinenser:innen dokumentieren und die Betroffenen mit Rechtshilfe unterstützen. Außerdem leisten Partnerorganisationen wie Rabbis for Human Rights Nothilfe für palästinensische Dörfer wie Ras Al-Ain. Die Ortschaft hatte nach den Angriffen gewalttätiger Siedler:innen und der Abriegelung des Westjordanlandes während des Israel-Iran-Krieges zwei Monate keine Wasserlieferungen erhalten. Dank eines Zuschusses von NIF konnten Rabbis vor Human Rights die Bewohner:innen mit vier Wassertanks, Lebensmitteln, medizinischer Ausrüstung und Treibstoff versorgen.
- Politiken und Infrastruktur für eine demokratische und friedliche Zukunft
Die israelische Politik wurde in den letzten Jahren von der illiberalen Agenda und den politischen Zielen der ultranationalistischen Rechten bestimmt – einer Politik, die den Rechtsstaat aushöhlt und Bürgerrechte einschränkt, die die Annexion des Westjordanlandes vorantreibt und die Eskalation der Gewalt befördert. Um dieser Politik etwas entgegenzusetzen, braucht es sowohl Investitionen in Visionen für eine demokratische und friedliche Zukunft als auch den Aufbau von Strukturen und Führungspersönlichkeiten, die diese Visionen in die Realität umsetzen können.
Die NIF-Partnerorganisationen Berl Katznelson Foundation und Mitvim: The Israeli Institute for Regional Foreign Policies haben sich zusammengeschlossen, um einen Friedensplan namens „The Israeli Initiative” zu entwerfen. Dieser sieht drei Phasen vor: Die erste Phase konzentriert sich auf den Übergang von Kriegszustand zu Wiederaufbau. Die zweite Phase zielt darauf ab, die Voraussetzungen für eine langfristige stabile Lösung zu schaffen. Die dritte Phase schließlich umreißt einen Verhandlungsprozess über eine Zwei-Staaten-Lösung als Teil eines regionalen Normalisierungsprozesses zwischen Israel und der arabischen Welt.
NIF unterstützt außerdem Maßnahmen zur Förderung neuer progressiver Führungskräfte und zu deren Vernetzung. IDEA: Das Zentrum für liberale Demokratie etwa, hat ein Netzwerk von 400 Personen aus verschiedensten Bereichen der israelischen Gesellschaft (Politik, Zivilgesellschaft, Kunst und Kultur, Kommunalverwaltung, Medien) aufgebaut, die sich gemeinsam zu Themen wie Demokratie, Führung und Bürgerrechte weiterbilden und anschließend als Akteur:innen des Wandels in ihren jeweiligen Bereichen tätig werden. Eine weitere Partnerorganisation in diesem Bereich ist Qadaya, die Führungskräfte in der palästinensischen Gesellschaft in Israel fördern. Vor kurzem hat Qadaya ein neues Projekt ins Leben gerufen, in dem junge palästinensisch-israelische Intellektuelle aus dem gesamten politischen Spektrum zusammenkommen, um gemeinsam Lösungen für die besonderen Herausforderungen ihrer Gemeinschaft zu erarbeiten.
Warum NIF unterstützen?
Ihre Spende für den NIF unterstützt mehr als nur ein einzelnes Projekt. NIF ist mit über 800 geförderten Organisationen das Rückgrat der demokratischen Zivilgesellschaft in Israel. NIF bietet ein Netzwerk, das in Krisenzeiten schnell und unbürokratisch handlungsfähig ist. NIF wirkt dort, wo politische Strukturen versagen und marginalisierte Bevölkerungsgruppen besondere Unterstützung benötigen. Und NIF setzt sich weiterhin und ohne Einschränkungen für Demokratie, Menschenrechte und Frieden ein, sowohl mit kurzfristiger Nothilfe und langfristigen Infrastrukturen.


