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Zu Channukah 2023: Licht in der Dunkelheit

Der CEO des New Israel Fund in den USA, Daniel Sokatch, veröffentlichte am 4. Dezember folgende Gedanken zur gegenwärtigen Lage in Israel und Palästina (gekürzte deutsche Fassung):


Bisher wurde erst ein Teil der verschleppten am 7.Oktober 2023 nach Gaza Geiseln freigelassen. Über 130 Brüder, Schwestern, Söhne, Töchter und Eltern bleiben in Gaza gefangen. Die Tatsache, dass einige der Geiseln zu Hause sind, gibt zumindest ein wenig Licht in dieser schrecklichen, erdrückenden Dunkelheit. Dies gilt insbesondere jetzt, da die kriegerischen Auseinandersetzungen wieder aufgenommen wurden. Wir brauchen so viel Licht, wie wir nur bekommen können.

Ein Licht in der Dunkelheit, so klein es auch sein mag, erinnert uns daran, dass die Dunkelheit nicht ewig andauern wird, dass irgendwann die Morgendämmerung kommen wird. Aber wir wissen auch, dass Hoffnung und Veränderung, die wir so verzweifelt ersehnen, nicht von selbst kommen. Wir müssen uns mit aller Kraft einsetzen, um sie zu erlangen. Keine Frage: der einzige Weg führt über die schwierige und schmerzhafte Suche nach einer diplomatischen und politischen Lösung des Konflikts zwischen Palästinenser:innen und Israelis.


Daniel Sokatch, CEO des NIF USA, Foto: NIF

Ja, Israel hat ein legitimes Recht, ja eine Pflicht zu kämpfen, um seine Bürger:innen vor der mörderischen Bedrohung durch die Hamas zu schützen. Dieser Krieg ist in diesem Sinne eine „gerechte Sache“. Aber selbst eine gerechte Sache entbindet Israels Führung nicht von der Verantwortung, sich an das humanitäre Völkerrecht zu halten. Aktivist:innen wie der herausragende israelische Menschenrechtsanwalt Michael Sfard fordern eine neue, offene Diskussion über die Moral der israelischen Militärmethoden.

Es ist klar, dass ein endloser Krieg keine Option ist. Ministerpräsident Netanjahu hat eine langjährige Politik verfolgt, „den Konflikt zu managen“, d.h. die Extremist:innen en der Hamas in Gaza als Gegengewicht zur gemäßigteren Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland zu tolerieren, während seine Regierungen dort gleichzeitig Ressourcen in das Siedlungsprojekt steckten, um die Möglichkeit der Entstehung eines palästinensischen Staates zu verhindern. Diese Strategie wurde als das entlarvt, was sie ist: ein moralisches und strategisches Versagen.

Aber wie kommen wir zu einem gerechten Frieden? Die aktuelle Krise ist noch lange nicht vorbei. Israelische Geiseln, darunter Kinder, sind weiter in Gaza. Unschuldige Bewohner:innen des Gazastreifens, einschließlich vieler Kinder, versuchen unter unvorstellbaren Umständen zu überleben. Kürzlich ermordeten Hamas-Terroristen an einer Bushaltestelle in Jerusalem drei Israelis. Und im Westjordanland werden Gewalttaten von Siedlern häufiger und extremer. Israels Channel 12 News berichtete, dass der ideologische Anführer dieser radikalen Siedler, der Minister für Nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir, die israelischen Justizbehörden ausdrücklich angewiesen hatte, den nationalistischen jüdischen Terrorismus gegen Palästinenser:innen im Westjordanland nicht zu verfolgen. Die von NIF unterstützte Organisation Yesh Din und andere haben ein Schreiben an das Büro des Generalstaatsanwalts gerichtet, in dem sie eine Untersuchung fordern und auf das Offensichtliche hinweisen: Ben-Gvirs Anordnung "kommt einer Billigung von Gewalt gegen Palästinenser und der Straffreiheit für solche Aktivitäten gleich."

Natürlich ist es nicht nur Ben-Gvir. Es sind auch seine Kolleg:innen in der Regierung, die die Bewohner:innen des Gazastreifens als "menschliche Tiere" bezeichneten; es sind diejenigen, die eine "zweite Nakba" wünschen, und sogar diejenigen, die eine Rückkehr der israelischen Siedler:innen in den Gazastreifen fordern. Dieser Diskurs auf den höchsten Ebenen in Israel ist gefährlich und extremistisch.

Wenn man also ernsthaft über den Tag nach diesem Konflikt nachdenkt, muss man nicht nur eine gemäßigte palästinensische Führung anstreben, sondern auch eine gemäßigte israelische Führung. Und die haben wir im Moment nicht.

Die aktuelle israelische Regierung bleibt eine Koalition aus Extremist:innen, religiösen Fundamentalist:innen, Rassist:innen und radikalen Siedler:innen, angeführt von einem Premierminister, der wegen Korruption vor Gericht steht. Gegen sie hatten vor dem 7. Oktober fast ein Jahr lang Hunderttausende Israelis, mit Unterstützung von Menschen auf der ganzen Welt, protestiert. Ein aktueller Lichtblick: Israels Regierungskoalition hat wenig Unterstützung in der Öffentlichkeit. Eine überwältigende Mehrheit der Israelis (80%) betrachtet Netanjahu und diese Regierung als verantwortlich für die katastrophalen Versäumnisse, die zum 7. Oktober führten.


Viele israelische Familien, wie z.B. diejenigen der 4-jährigen, kürzlich freigelassenen Avigail, arbeiteten Tag und Nacht, um ihre Angehörigen zurückzubekommen. Der Präsident, der ihnen zuhörte, ihnen zur Seite stand und wirklich erleichtert schien, Avigail zu Hause zu sehen, war nicht Benjamin Netanjahu. Es war Joe Biden.

Präsident Biden hat uns ein Licht in dieser Dunkelheit geschenkt. Aber es gibt noch ein anderes Licht, das heute in der Dunkelheit in Israel leuchtet: Aktivist:innen in der israelischen Zivilgesellschaft - Israelis, palästinensische und jüdische Bürger:innen, die eine bessere, gemeinsame Zukunft anstreben. Sie sind führend auf dem Weg in eine andere Richtung, insbesondere von NIF geförderte Organisationen wie Standing Together, Combatants for Peace, Bereaved Parents Families-Forum, Breaking the Silence und Yesh Din, die entweder von palästinensischen und jüdischen Israelis gemeinsam geleitet werden oder seit Jahren Hand in Hand mit Palästinenser:innen arbeiten.

Wir wissen, dass die Israelis gemeinsam dafür verantwortlich sind, eine Zukunft zu entwerfen, in der das Morgen besser ist als das Heute – und zwar für alle. Wo politische Lösungen zu Sicherheit, Würde und Gleichheit führen.

Dafür stehen der NIF, viele Israelis und viele Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt. Und deshalb und ist war unsere Arbeit noch nie so wichtig wie heute.



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