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1 Mio. Israelis gegen den Krieg.

Mit landesweiten Protesten, begleitet von einem Generalstreik, haben in Israel mehr als eine Million Menschen ein Zeichen gegen den Krieg und für ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln gesetzt. Der Generalstreik wurde als Reaktion auf die Ankündigung der Netanjahu-Regierung organisiert, die israelischen Angriffe auf Gaza-Stadt auszuweiten und den gesamten Gaza-Streifen wieder zu besetzen. Angehörige der 20 noch lebenden israelischen Geiseln befürchten, dass die Ausweitung dieser Plan das Leben der Geiseln weiter gefährden würde.

Am 17. August, exakt um 6:29 Uhr – dem Zeitpunkt des Hamas-Angriffs am 7. Oktober 2023 – legten Fabrikarbeiter:innen, Lehrkräfte, Beschäftigte im High-Tech-Sektor, das Personal des Flughafens Ben Gurion, Mitglieder der israelischen Anwaltskammer und Studierende im ganzen Land die Arbeit nieder. Ihre Botschaft: „Es reicht.“
Auch die NIF-Kolleg:innen in Israel beteiligten sich am Streik und schickten uns folgende Fotos:
Israelis blockieren mit Autos und Demonstrationen eine Straße beim Generalstreik gegen den Krieg 17.8.2025, Foto: NIF

Allein in Tel Aviv protestierten an dem Tag 500.000 Demonstrierende. Auf dem Platz der Geiseln vor dem Museum für Moderne Kunst versammelten sich an diesem Tag auch die Angehörigen von Matan Zangauker, der am 7. Oktober von Hamas-Terroristen verschleppt wurde. Sie zeigten auf einer großen Leinwand ein neu entdecktes Video aus Gaza, in dem Matan seine Familie bittet: „Macht weiter Lärm.“

Seine Mutter, Einav, richtete nach dem Video ergreifende Worte an ihren Sohn: „Mein Matan, mein Held – ich bin so stolz auf dich. Du hältst seit 681 Tagen durch. Bitte bleib stark.“ Dann wandte sie sich an die Menge: „Matan hat um Lärm gebeten – also macht Lärm!“ Die Menge antwortete mit einem lauten Aufschrei. „Wir fordern, was uns zusteht – unsere Kinder!“, rief sie. Die israelische Regierung, sagte Einav, habe einen „gerechten Krieg“ in einen „endlosen Krieg“ verwandelt.

„Ein endloser Krieg“ – gegen den Willen der Mehrheit der Israelis

Immer mehr Menschen in Israel sehen das genauso. Laut aktuellen Umfragen sprechen sich inzwischen 74 % der israelischen Bevölkerung für ein Abkommen mit der Hamas aus, das die Freilassung der Geiseln und ein Ende des Krieges umfassen würde– ein historischer Höchststand.

Doch Benjamin Netanjahu und seine rechtsextremen messianischen Minister führen das Land in die entgegengesetzte Richtung. Hochrangige Mitglieder der Regierung sprechen offen davon, den Gaza-Streifen zu besetzen, die palästinensische Zivilbevölkerung zu vertreiben und dort wieder jüdische Siedlungen zu errichten:

„Ohne Siedlungen [in Gaza] gibt es keine Sicherheit“, sagte Finanzminister Bezalel Smotrich auf einer Konferenz im Januar. „So Gott will, werden wir gemeinsam siedeln und siegreich sein.“ Auf derselben Konferenz erklärte der Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, es sei „Zeit, nach Gush Katif zurückzukehren“, wobei er sich auf den Siedlungsblock in Gaza bezog, der 2005 aufgelöst und evakuiert wurde.

Das sind die messianischen Fantasien, gegen die die israelische Zivilgesellschaft auf die Straße geht.

Aktuell werden in Israel zehntausende Reservist:innen einberufen. Israels Verteidigungsminister Katz hat Angriffspläne auf Gaza-Stadt genehmigt und israelische Truppen beschießen bereits Vororte der Stadt. Und dass, obwohl sich hochrangige Vertreter des israelischen Militärs, der Geheimdienste und der Politik gegen die Offensive aussprechen und warnen, dass der Krieg in Gaza längst hätte beendet werden sollen.

Ein UN-Expert:innenkomitee zur Überwachung von Hunger (Integrated Food Security Phase Classification) stellte kürzlich fest, dass in Gaza-Stadt bereits eine menschengemachte Hungersnot herrsche und diese auch in Deir al-Balah und Khan Younis in kommenden Wochen erreicht werde. Hilfsorganisationen warnen, dass eine Ausweitung der israelischen Angriffe diese ohnehin katastrophale Lage noch weiter verschärfen würde.

An der Seite der israelischen Zivilgesellschaft gegen den Krieg

Inmitten dieser herzzerreißenden Nachrichten, der Sorge um die israelischen Geiseln und die palästinensische Zivilbevölkerung in Gaza, steht NIF weiterhin an der Seite der demokratischen Zivilgesellschaft, an der Seite der mutigen Aktivist:innen, die für einen Waffenstillstand auf die Straße gehen oder sich anderweitig für Menschlichkeit, Empathie und eine bessere Zukunft einsetzen.

In einem Webinar von NIF USA am 21. August 2025 berichtete die Journalistin Emmanuelle Elbaz-Phelps über die Herausforderungen journalistischer Arbeit zur Lage in Gaza. Als freiberufliche Journalistin, die häufig im israelischen Mainstream-Fernsehen auftritt, spricht sie auch über das Leid der Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen und wird dafür regelmäßig beschimpft und bedroht. Emmanuelle lässt sich nicht beirren und erklärte, dass das. was im Namen Israels in Gaza geschieht, ist so viel schlimmer sei als der Hass, den sie dafür erträgt, dass sie darauf hinweist.

Im Anschluss sprachen Alon-Lee Green, Co-Direktor von Standing Together, und Lior Milo von Citizens HQ – einer NIF-geförderten Koalition zur Förderung jüdisch-palästinensischer Zusammenarbeit. Beide berichteten eindrucksvoll über die Veränderungen im öffentlichen Diskurs in Israel, über die Protestbewegung gegen den Krieg, für Menschenrechts und humanitäre Hilfe für Gaza sowie über den Preis, den mutige und moralische zivilgesellschaftliche Akteur:innen zahlen.

Wir sind stolz, dieses Engagement zu unterstützen. Seien Sie dabei und helfen Sie mit.

Das gesamte Webinar mit Emmanuelle Elbaz-Phelps, Alon-Lee Green und Lior Milo können Sie hier nachschauen.

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