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Siedlergewalt im Westjordanland: Unser Einsatz vor Gericht, in der Öffentlichkeit und vor Ort.

Gemeinsam gegen Siedlergewalt: Israelische und palästinensische Aktivisten beim Pflanzen von Olivenbäumen in Burin im Westjordanland. Zwei Männer tragen einen Setzling die Straße hoch.

Im Westjordanland geht die Gewalt durch Siedler unvermindert weiter: In den vergangenen Wochen häufen sich die Berichte über in Brand gesteckte Moscheen, zerstörte Autos und Häuser, ausgerissene Olivenbäume, verwüstete Felder, gestohlenes Vieh und Vertreibungen. Diese Ereignisse sind die brutale Fortsetzung einer strukturellen Entwicklung: Nach der Aufhebung der Sanktionen gegen gewalttätige Siedler durch die US-Regierung Anfang 2025 entwickelte sich das Jahr zu einem der gewalttätigsten in der jüngeren Geschichte der besetzten palästinensischen Gebiete. Nach Angaben der israelischen Sicherheitsbehörden wurden 2025 insgesamt 867 Angriffe extremistischer israelischer Siedler registriert – ein drastischer Anstieg von 27 % gegenüber dem Vorjahr. Im Vorfeld der anstehenden israelischen Wahlen ist eine weitere Verschärfung dieser besorgniserregenden Entwicklungen zu befürchten.

Das Ziel auf Seiten der Siedler ist unmissverständlich: Palästinenser:innen von ihrem Land zu vertreiben, neue illegale Siedlungen zu errichten und immer größere Teile des Westjordanlands dauerhaft zu annektieren.

Zwei vor Kurzem veröffentlichte Berichte belegen diese Systematik mit erschreckender Klarheit. Die Vereinten Nationen stellen fest, dass der israelische Staat die Gewalt der Siedler durch finanzielle Mittel, militärischen Schutz und mangelnde Strafverfolgung der Täter unterstützt. Zum gleichen Schluss kommt das israelische Ofek Center in seiner neuen Analyse „Architektur der Straflosigkeit”: Während der jüngsten Eskalation zwischen Israel und dem Iran wurden im Westjordanland durchschnittlich zehn Siedlerangriffe pro Tag verzeichnet; acht Palästinenser:innen wurden dabei von Siedlern erschossen, über 200 verletzt. Kaum jemand wurde festgenommen, nur eine Person angeklagt. Strafverfahren werden fast ausnahmslos wieder eingestellt. Der Bericht zeigt darüber hinaus, wie sich diese Straflosigkeit historisch entwickelt hat, welche staatlichen Strukturen die Gewalt begünstigen und wie eng Militär und Siedler:innen inzwischen miteinander verflochten sind.

Die Gewalt nimmt weiter zu. Und doch gibt es Menschen in Israel, die nicht wegschauen. Sie stellen sich schützend in den Weg. Wir unterstützen sie.

Israelische Menschenrechtsaktivist:innen leisten Schutzbegleitung: Sie begleiten Palästinenser:innen physisch bei der Bewirtschaftung ihres Landes, schützen sie so vor Angriffen und dokumentieren diese, wenn sie dennoch geschehen.

Eid Suleiman Hadaleen, Bewohner von Masafer Yatta im südlichen Westjordanland und Aktivist, schildert in einem Video seinen Alltag und den seiner Gemeinschaft, die unter dauerhaften Siedlerangriffen leidet. Er erklärt, wie unverzichtbar die Schutzbegleitung angesichts der wachsenden Gefahr von Vertreibung und Gewalt geworden ist. Einen Einblick in die Arbeit der Schutzbegleitung geben Or, Roei und Maya in der aufgezeichneten Veranstaltung „Widerstand gegen Siedlergewalt im Westjordanland”, die in der Temple Sinai Synagogue in Washington DC stattfand: Die drei Aktivist:innen berichteten dort, was sie vor Ort sehen, erleben und bezeugen.

NIF-Geschäftsführer Mickey Gitzin sieht eine Entwicklung, die der NIF tatkräftig unterstützt: „Noch vor ein paar Jahren waren nur wenige Aktivist:innen bereit, diese Arbeit zu leisten, während sich heute Hunderte von Menschen anschließen. Die Normen wandeln sich: Die einst bewusste Ignoranz weicht allmählich einer neuen Haltung. An die Stelle der Gleichgültigkeit tritt zunehmend die Bereitschaft, sich den brutalen Übergriffen von Siedlern direkt und entschlossen entgegenzustellen.”

Um den Widerstand von NIF und seinen Partnerorganisationen gegen Siedlergewalt besser zu koordinieren und ihre Wirkung zu erhöhen, hat NIF kürzlich das Headquarters for Combating Annexation and Settler Violence ins Leben gerufen. So weiten wir unsere Arbeit gegen Siedlergewalt auf allen Ebenen aus:

Vor Gericht: NIF-Partnerorganisationen leisten Rechtshilfe für von Gewalt betroffene palästinensische Gemeinden und solidarische Menschenrechtsaktivist:innen, etwa in Schadensersatzklagen und Anträgen auf gerichtliche Schutzanordnungen. Jede Form rechtlicher Abschreckung gewalttätiger Siedler kann dazu beitragen, Palästinenser:innen zu schützen und ihnen zu ermöglichen, auf ihrem Land zu bleiben.

Die NIF-Partnerorganisation Human Rights Defenders Fund zum Beispiel gewann einen wegweisenden Fall vor Gericht: eine Entschädigung von 8.000 US-Dollar für palästinensische Landwirt:innen, die bei der Olivenernte 2025 finanziellen Schaden erlitten haben, weil die IDF die betroffenen Gebiete zu militärischen Sperrzonen erklärt hatte. Das Gericht erkannte zudem an, dass diese militärischen Sperrzonen übermäßig und oft ohne ausreichende Begründung verhängt wurden, und verpflichtete die IDF, künftig vor Erlass einer solchen Anordnung eine unmittelbare Sicherheitsbedrohung nachzuweisen.

In der Öffentlichkeit: Um der von staatlicher Seite akzeptierten Gewalt ein Ende zu setzen, braucht es mehr Bewusstsein und gesellschaftlichen Druck in der israelischen Öffentlichkeit. NIF unterstützt Partnerorganisationen dabei, die israelische Medienberichterstattung über Siedlergewalt zu stärken und öffentlich zu machen, in welchem Ausmaß die Regierung Siedler-Außenposten finanziell unterstützt.

Yesh Din dokumentiert vor Ort Siedlergewalt und arbeitet gleichzeitig an der Öffentlichkeitsarbeit dazu. Auch die weiter oben beschriebenen Delegationsreisen von Aktivist:innen tragen dazu bei, ebenso wie die von NIF organisierten Gespräche für Diplomat:innen, Journalist:innen und Unterstützer:innen mit unseren Partnerorganisationen Breaking the Silence und Ofek: The Israeli Center for Public Affairs – sie helfen dabei, auch international auf das Thema aufmerksam zu machen und Unterstützung zu gewinnen.

Vor Ort: Das Aufstellen von Schutzbegleitungen ist nicht nur Teil unserer politischen Verantwortung. Sie ist für uns der beste Weg, der zunehmenden Gewalt, der völligen Straflosigkeit und dem Zerfall der Rechtsstaatlichkeit entschlossen entgegenzutreten sowie Demokratie, Gerechtigkeit und Gleichheit zu verteidigen. NIF unterstützt, schult und stärkt diese Aktivist:innen und bildet regelmäßig neue aus. Den Aktivist:innen werden Resilienz-Trainings, therapeutische Begleitung sowie Erste-Hilfe-Kurse zur Verfügung gestellt. Der Großteil dieser Arbeit von NIF läuft über das NIF OPT Activists Support Program, das 2023 ins Leben gerufen wurde. Hier könnt ihr mehr zum OPT Activists Support Program erfahren.

Ergänzt wird diese Arbeit durch weiter die Zusammenarbeit mit Organisationen, die Menschen für die Schutzbegleitung gewinnen und gemeinsam Delegationen organisieren; Bnei Avraham – eine israelische, religiös-jüdische Aktivist:innengruppe, die sich aus orthodoxen, charedischen und traditionellen Jüdinnen:Juden zusammensetzt. Roei Kleitman ist Teil dieser Gruppe und berichtet in einem kurzen Video über seine Erfahrungen. Er ist ebenfalls Teil der US Delegation und somit im aufgezeichneten Webinar zu hören, dass oben verlinkt ist. Jordan Valley Activists – schützt palästinensische Gemeinden im nördlichen Jordantal und den südlichen Hebron-Hügeln vor Siedlergewalt. Looking the Occupation in the Eye – leistet ebenfalls Schutzbegleitung und bringt das Thema der Besatzung in den israelischen öffentlichen Diskurs.

Schutzbegleitung zur Olivenernte 2026

Dieses Jahr schließt sich der New Israel Fund einem großen Bündnis aus israelischen, palästinensischen und amerikanischen Organisationen bei „Protect the Harvest” an. Diese Kampagne wurde ins Leben gerufen, um internationale Freiwillige für die Unterstützung von palästinensischen Landwirt:innen während der jährlichen Olivenernte im Westjordanland vom 17. Oktober bis zum 13. November 2026 zu gewinnen.

Die eskalierende Gewalt bedroht die Sicherheit und Lebensgrundlage palästinensischer Landwirt:innen. Können sie ihre Oliven nicht ernten, verlieren sie eine wichtige Einkommensquelle.

Unsere Partnerorganisation Rabbis for Human Rights übernimmt gemeinsam mit Mejdi Tours und Achvat Amim, die Organisation der Schutzbegleitung und Koordination der internationalen Freiwilligen. Diese Kampagne bietet Menschen aus aller Welt die Möglichkeit, sich an dieser wichtigen Arbeit zu beteiligen. Die Organisator:innen sorgen während des gesamten Einsatzes für Schulung, Vorbereitung und logistische Unterstützung. Auf der Website haben Sie die Möglichkeit, sich zu registrieren und/oder mehr Informationen zu erhalten.

Rabbis for Human Rights
Unsere langjährigen Partnerorganisationen Rabbis for Human Rights organisieren und unterstützen seit vielen Jahren in großem Umfang Delegationen und Aktivist:innen, die Schutzbegleitung leisten. Rabbis for Human Rights wurde 1988 gegründet und zählt heute über 170 Mitglieder – ordinierte Rabbiner:innen und Rabbinatsstudent:innen. Die Arbeit der Organisation spiegelt die Überzeugung ihrer Mitglieder wider, dass Jüdinnen:Juden verpflichtet sind, gegen jede Ungerechtigkeit zu protestieren und diese wo immer möglich zu verhindern. Ihr Handeln basiert auf der humanistischen jüdischen Tradition und internationalen Menschenrechtskonventionen.

Um diesen lebenswichtigen Schutz und den Kampf für Menschenrechte lückenlos fortzusetzen, sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Bitte unterstützen Sie die NIF-Initiative gegen Siedlergewalt heute mit Ihrer Spende. Herzlichen Dank an alle, die uns auf diesem Weg bereits unterstützt haben.

 

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