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Abschied von Ofer Waldmann

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

zuallererst – ob Chanukka oder Weihnachten: Frohes Fest allerseits!

Dies ist ein besonderer Newsletter für mich – der letzte, den ich als Vorstandsvorsitzender des NIF-Deutschland verfassen darf. Meine Amtszeit endet am 31. Dezember 2019.

Der Abschied von meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für den NIF in dieser Funktion ist meinen familiär bedingten, langen Abwesenheitsphasen aus Berlin seit dem Sommer 2018 geschuldet. Er fällt mir nicht leicht: Aus den ursprünglich zwei geplanten wurden drei bedeutungsvolle, faszinierende und bewegende Jahre, in denen der NIF mir zur zweiten Familie wurde. Natürlich bleibe ich auch weiterhin, aus ganzem Herzen, ob in Deutschland oder in Israel, ein Unterstützer des NIF. Die Schwere des Abschieds wird auch dadurch etwas erleichtert, da mit Roger Dreyfus der erfahrene Aktivist und Gründer des NIF-Deutschland den Vorsitz bis zu seiner neuen Besetzung im Sommer 2020 kommissarisch übernimmt.

Dass das Thema Israel kaum einen Menschen in Deutschland gleichgültig lässt, war mir klar noch bevor ich beim NIF eintrat. Was mir jedoch während der letzten Jahre noch klarer wurde, ist der Frust, der sich unter Israelfreund*innen hierzulande breitmacht. Dieser entstammt der Kluft zwischen ihrer tiefen Zuneigung zu Israel, und der immer schmerzhafter werdenden Entfremdung durch die Zielrichtung der israelischen Politik.

Es war mein Ziel, den NIF zum Gesprächspartner für diese Menschen – für Sie, liebe Freundinnen und Freunde – zu gestalten.

Und so, mit Ihrer Hilfe, präsentierte sich zum ersten Mal eine israelische Organisation in der deutschen Öffentlichkeit, die die moderate Stimme der israelischen Zivilgesellschaft laut und klar erklingen lässt. Wir führen den Kampf gegen Antisemitismus hierzulande entschlossen mit, sprechen aber auch öffentlich dagegen, diesen Kampf missbrauchen zu lassen, um Israels Besatzungspolitik von Kritik abzuschirmen. Mit dem NIF erklingt in Deutschland eine organisierte israelische Stimme, die sich gegen unredliche Boykottaufrufe, aber auch gegen den zynischen Missbrauch jüdischer Urängste stellte. Die Stimme aller Organisationen der NIF-Familie, die sich für Menschen- und Bürgerrechte einsetzen, für den Erhalt der israelischen Demokratie, für religiösen Pluralismus, für die LGBTQ-Community, für eine friedliche Co-Existenz aller Bürger*innen Israels – und für eine friedliche Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Wir haben durch zahlreiche Veranstaltungen Israels Zivilgesellschaft in Deutschland vorgestellt: Wir haben ein Israel vorgestellt, für das man kämpfen kann. Für das man kämpfen soll.

Mit dem Berliner Senat haben wir ein Programm für eine pluralistische Gesellschaft und gegen Rassismus und Antisemitismus an Berliner Schulen gestartet: Der NIF ist auf dem Weg, zum bundesweiten anerkannten Partner im Kampf gegen Antisemitismus, Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus zu werden. Damit zeigen wir, dass man auch diese Botschaft aus Israel hören kann: Der Versöhnung, der Vielfalt. Der Menschenrechte.

Es bleibt unsere Herausforderungen, größere Kreise von Israelfreund*innen hierzulande zu erreichen. Vor allem jungen Menschen müssen wir zeigen: Mit der Wertegemeinschaft der Organisationen, die der NIF in Israel unterstützt lässt sich die deutsch-israelische Freundschaft zukunftsfest gestalten. Dafür braucht der NIF vor allem Ihre Unterstützung.

Es bleibt dabei meine Hoffnung, dass der NIF-Deutschland – wie der NIF es bereits in Nordamerika, England und anderswo praktiziert – das Gespräch mit den jüdischen Gemeinden in Deutschland erweitert. Die Türen des NIF waren und werden für dieses Gespräch immer offenbleiben.



Liebe Freundinnen und Freunde, drei Jahre lang habe ich bei jeder Gelegenheit gesagt: Ich habe die schönste Aufgabe, die ein Israeli in Deutschland innehaben kann, denn ich darf die Menschen vertreten, die Tag und Nacht für ein demokratisches, gerechtes, pluralistisches Israel kämpfen. Juden und Araber, Männer und Frauen. Dass wir in Israel endlich die Anfänge einer jüdisch-arabischen politischen Partnerschaft auf breiter Ebene sehen, ist das Resultat endloser Anstrengungen unserer Organisationenfamilie. Und damit, liebe Freundinnen und Freunde, das Resultat Ihrer Unterstützung.

Ich danke meinen Freundinnen und Freunden im Vorstand dafür, mit ihnen diese Aufgabe ausgeführt haben zu dürfen. Ich danke auch Ihnen, lieben Freund*innen, die unsere Veranstaltungen besucht haben, uns gespendet haben, unsere Stimme weitergetragen haben. Sie sind die wahre Stärke des NIF.


Frohes Fest, einen guten Rutsch – und vom ganzen Herzen: Shalom,

Ihr

Ofer Waldman

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