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"In der Mitte diese Kolonne des mitmenschlichen Friedens"

Aktualisiert: 16. Aug 2019

Aus dem Grußwort des Vorsitzenden des New Israel Fund Deutschland Ofer Waldman am 20.6.2018 im Berliner Roten Rathaus


Sehr verehrte Damen und Herren,


Mein Vater kämpfte im 67-Krieg, der vor genau 50 Jahren tobte.


Er war 25 Jahre jung. Ängstlich, wie er mir erzählte. Er kämpfte in seiner Heimatstadt Jerusalem, und war bei den ersten Truppen, die in das Westjordanland marschierten.


Ich bin in die Realität geboren, die der Krieg erschuf. Ich kenne keine andere, wie inzwischen die meisten Palästinenser und Israelis. Durch die Augen meines Vaters sah ich wie die Geschichte des Krieges sich über die Jahre verwandelte zu einer Geschichte der Sorge und der Angst, Angst vor den Auswirkungen der 50-jährigen Besatzung der palästinensischen Gebiete. Auf Besetzer und Besetzte zugleich. Angst um die Zukunft Israels. Um seine Demokratie, seine Werte, seine Gesellschaft.


Ein Volk haftet für seine Staatlichkeit, sagte einst Karl Jaspers. Auf Hebräisch gilt dasselbe Wort für Haftung und Verantwortung: „Achrajut“. Und die effektivste Form dieser „Achrajut“ ist beim New Israel Fund, kurz NIF, verkörpert.


Der NIF ist die führende israelische Organisation zur Förderung von Demokratie, Menschenrechten, und den Werten einer toleranten und friedlichen Zivilgesellschaft. Wir sind die Plattform die die meisten israelischen Menschenrechtsorganisationen unterstützt, sowohl finanziell als auch organisatorisch.


Und diese Haftung gilt auch hier in Deutschland.


Vor 2 Jahren feierten wir 50 Jahre deutsch-israelischer diplomatischer Beziehungen, nun gedenken wir 50 Jahre Besatzung. Beim ersten Jubiläum wurden die Werte der liberalen Demokratie gefeiert; das heutige Jubiläum markiert ihre akute Gefährdung.


Wir, beim NIF-Deutschland, glauben an die deutsch-israelische Freundschaft. Eine Freundschaft, die ihren Namen verdient. Die auf den Werten der Demokratie und der Menschenrechte basiert. Eine Freundschaft die Kritik zulässt. Denn auch eine selbstkritische, reflektierte israelische Stimme ist kein Zeichen der Schwäche: Sondern der Stärke.


Der NIF-Deutschland sucht nach Unterstützung und Partnern für die Organisationen, die wir in Israel mittragen. Für die israelische Zivilgesellschaft und für alle in Israel lebenden Menschen, Araber und Juden zugleich.


Ich würde Ihnen, meine Damen und Herren, gerne über all diese Organisationen erzählen. Über Kian, das feministische Zentrum für arabische Frauen; Itach-Maaki, Juristinnen für soziale Gerechtigkeit; Jad-be-Jad, für gemeinsame jüdisch-arabische Erziehung; Igi, für LSBT Jugend; Israel Hofschit für religiösen Pluralismus; und viele andere.


Erlauben Sie mir vielleicht diese eine Geschichte.


Im Sommer 2014, kurz vor Ausbruch des letzten Gaza-Krieges, wurde Mouhammad Abu-Hadir, einen 14-jährigen Palästinenser aus Shoafaat nördlich von Jerusalem, von drei jüdischen Israelis entführt und bei lebendigem Leibe verbrannt. Als Rache, meinten sie.


Gadi Gvarijahu, Leiter der Organisation Tag Meir – Leuchtendes Schild – die vom NIF mitgetragen wird, wollte der Familie des Jungen sein Beileid aussprechen. Die Familie wollte aber keine jüdisch-israelischen Besucher empfangen. Doch Tag Meir verfügt, durch jahrelange Versöhnungsarbeit, über viele Kontakte in die palästinensische Gesellschaft. Die Familie wurde umgestimmt.


Nun stellen Sie Sich, meine Damen und Herren, das folgende Bild vor. 6 Busse voller Aktivistinnen und Aktivisten von Tag Meir fahren durch das palästinensische Dorf Shoaafat. 6 Busse, 300 Menschen, die offen und mutig für die Werte des NIF, unsere Werte, stehen. Links von ihnen bewaffnete israelische Grenzpolizisten, rechts palästinensische Protestierer mit Steinschleudern.


Und in der Mitte diese Kolonne des mitmenschlichen Friedens.


Da steht der NIF, meine Damen und Herren.


Da stehen wir.


Vielen Dank.

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